Freitag, 31. Juli 2026

Jobrotation imTierreich

Im Stall herrschte Krisensitzung.

„Ich eröffne die Versammlung!“, grunzte Schwein Berta und klopfte mit dem Ringelschwanz gegen den Futtertrog.

„Endlich!“, gackerte Henne Hannelore. „So kann das nicht weitergehen!“

Alle Tiere nickten. Selbst die Ziege meckerte zustimmend. Nur der Hahn war beschäftigt, sich wichtig hinzustellen.

Der Grund für die Aufregung hatte einen Namen: Herr Brehm.

Der alte Herr war fest davon überzeugt, dass alle Tiere gleich waren.

„Tiere mögen Futter“, sagte er. „Tiere schlafen.“ „Tiere machen Geräusche.“ „Tiere sind eben Tiere.“


„Na bravo“, schnaubte Berta. „Dann sind Kartoffeln und Käsekuchen wohl auch dasselbe. Beides kann man schließlich essen.“

„Ganz genau!“, piepste die Ente. „Er nennt uns ständig die Hühner. Ich bin eine Ente! Ich schwimme! Ich habe Stil!“

„Und ich“, empörte sich Hannelore, „lege Eier. Aber deshalb muss ich noch lange keine Schwimmprüfung machen! Letzte Woche hat er mich zum Teich getragen und meinte: 'Na los, Huhn, plansch mal schön.' Ich bin geschniegelt wie ein nasser Putzlappen zurückgekommen!“

Die Kuh Käthe schnaubte. „Mir wollte er einen Ast geben. 'Kühe knabbern doch gern Blätter', hat er gesagt. Ich bin keine Giraffe!“

„Mir wiederum“, jammerte die Ziege, „hat er einen Kohlkopf weggenommen. 'Der ist für die Schweine', meinte er. Dabei weiß doch jeder, dass ich ALLES esse. Fast alles. Den Gartenschlauch bereue ich bis heute.“

Da flatterte eine Brieftaube durchs Stallfenster.

„Post!“, rief sie.

Berta öffnete den Brief.

„Von Frau Leipziger aus dem Allgäu!“

Neugierig rückten alle zusammen.

Darin stand:

'Lieber Herr Brehm, Schweine und Hühner haben nichts gemeinsam. Bitte hören Sie auf, alle Tiere in einen Topf zu werfen. Mit freundlichen Grüßen, Frau Leipziger.'

Im Stall wurde es mucksmäuschenstill.

Dann brach schallendes Gelächter aus.

„Nicht in einen Topf!“, kicherte das Schaf. „Der Ausdruck ist bei Schweinen wirklich unglücklich gewählt.“

„Und bei Hühnern erst!“, gackerte Hannelore.

Am nächsten Morgen beschloss die Stallgemeinschaft, Herrn Brehm eine kleine Lektion zu erteilen.

Als er den Stall betrat, war nichts mehr dort, wo es hingehörte.

Die Schweine saßen geschniegelt auf den Sitzstangen.

Die Hühner hatten sich im Schlamm gesuhlt.

Die Enten standen geschniegelt und geschniegelt – allerdings mitten im Heu – und weigerten sich, auch nur einen Tropfen Wasser anzusehen.

Die Kühe hockten auf den Strohballen und krähten im Chor.

Der Hahn kaute demonstrativ wiederkäuend auf einem Büschel Heu herum.

Herr Brehm rieb sich die Augen.

„Was ist denn hier los?“

Berta grinste.

„Ach, wir dachten, wenn sowieso alle Tiere gleich sind, können wir heute auch mal die Rollen tauschen.“

Herr Brehm kratzte sich am Kopf.

„Irgendwie... sieht das alles ziemlich falsch aus.“

„Siehst du!“, rief Hannelore triumphierend. „Genau das sagen wir seit Wochen!“

Der alte Herr musste lachen.

„Na gut“, gab er zu. „Vielleicht seid ihr doch nicht alle gleich.“

„Na endlich!“, grunzte Berta.

„Dann bekomme ich jetzt hoffentlich wieder richtiges Schweinefutter?“

„Und ich meinen Teich!“, quakte die Ente.

„Und ich meine Körner!“, gackerte Hannelore.

Herr Brehm nickte.

„Abgemacht.“

Seitdem behandelt er jedes Tier so, wie es zu ihm passt.

Nur eines hat sich bis heute nicht geändert:

Wenn Besucher fragen, wer hier eigentlich das Sagen hat, antwortet Herr Brehm lächelnd:

„Offiziell ich. Inoffiziell… der Stallrat.“

Und genau in diesem Moment ertönt aus dem Stall ein lautes Grunzen:  Stalljunge Julian kletterte  auf  Stelzen durch den Stall. Alle Tiere lachten. Sie waren sich einig: Der ist wohl verrückt geworden






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