Donnerstag, 2. Juli 2026

Traurige Vorschau auf Guggle-Nachspiel-Zeit

Die U-Bahn ratterte. Ein Mann mit einem Regenschirm, der nie aufgespannt wurde, starrte auf die Schuhe einer Frau, die nicht seine waren. Sie trug ein schwarzes Kopftuch und eine blaue Brille – vielleicht war es Gretsche, vielleicht auch nicht. Der Mann flüsterte: „Du hast meinen Namen gestern im Traum gerufen.“ Sie drehte sich nicht um. Der Zug hielt. Die Türen öffneten sich mit einem Zischen, als würde die Luft selbst lachen.

Im Café gegenüber saß ein Paar, das sich nie berührt hatte. Er bestellte Kaffee, sie trank Tee. „Wir haben uns 1998 kennengelernt“, sagte er plötzlich. „In einem Traum“, fügte sie hinzu, ohne zu zögern. Der Kellner, der eigentlich gar nicht da war, nickte wissend und verschwand in der Wand.
Draußen begann es zu regnen. Ein Kind lief mit einem Luftballon in Form eines Fragezeichens durch die Straße. Ein alter Mann mit einem Hut, der aussah wie ein zerknülltes Manuskript, rief: „Das ist mein Enkel!“. Das Kind drehte sich um, lächelte – und explodierte in Konfetti. Der alte Mann weinte, aber seine Tränen waren aus Papier.

In einer Wohnung im dritten Stock brannte ein Fernseher ohne Strom. Die Nachrichten moderierte eine Frau mit dem Gesicht der Frau aus der U-Bahn. „Heute: Nichts“, sagte sie. „Morgen: Vielleicht.“ Der Bildschirm wurde schwarz, dann weiß, dann zu einem Spiegel. Darin sah man sich selbst – aber falsch. Die Nase zu groß, die Augen zu klein, der Mund ein Strich, der lachte.

Am Abend trafen sich alle in einem leeren Theater. Die Sitze waren mit Stoff überzogen, der sich anfühlte wie Erinnerungen, die man nicht hatte. Ein Vorhang öffnete sich. Auf der Bühne stand niemand. Das Publikum applaudierte trotzdem. Irgendjemand rief: „Das war mein Leben!“. Ein anderer: „Nein, meins!“. Dann ging das Licht aus. Als es wieder anging, war der Raum leer. Nur ein einzelner Handschuh lag auf dem Boden. Er passte zu niemandem.

Ende.