Samstag, 1. August 2026

Eine kleine Dorfgeschichte

Hallenmanagerin sucht Ruhe – findet fünf Schulkinder

Es gibt Geschichten, bei denen man sofort weiß: Das hat sich jemand ausgedacht.

Und dann gibt es die Geschichte von Katja.

59 Jahre alt. Geschieden. Keine Kinder. Seit fast zwanzig Jahren Hallenmanagerin einer Mehrzweckhalle irgendwo in Deutschland. Sie kennt jeden Hausmeister, jeden Verein und jede Ausrede, warum der Hallenschlüssel mal wieder verschwunden ist.

Liebe? Hatte sie irgendwann auf "später" verschoben. Später kam nie.

Bis Gert auftauchte. Ja, nennen wir ihn Gert. Er könnte auch Andreas oder Franz heißen. 

35 Jahre alt. Alleinerziehend. Fünf Kinder. Alle im schulpflichtigen Alter. Der Älteste diskutiert über Klimapolitik, die Jüngste hält pinkne Glitzerstifte für ein Grundrecht.

Gert kam eigentlich nur, um die Halle für das Handballtraining seiner Kinder anzumieten.

Katja war verloren, noch bevor er den Mietvertrag unterschrieben hatte.

"Der ist viel zu jung", sagte ihre Kollegin.

"Das kann man doch nachrechnen."

"Hab ich. Leider."

Von da an tauchte Gert ständig auf. Mal hatte eines der Kinder seine Trinkflasche vergessen, mal eine Sporttasche, mal gleich den ganzen Turnbeutel. Katja fand immer einen Grund, noch ein paar Minuten länger mit ihm zu reden.

Drei Monate später saß sie plötzlich mit sechs Tellern am Küchentisch.

Sie hatte nie Kinder gewollt.

Jetzt stritt sie mit einem Zehnjährigen darüber, ob Tiefkühlpizza als Gemüse zählt.

Im Supermarkt wurde sie regelmäßig für die Oma gehalten.

"Nein", sagte dann eines der Kinder.

"Das ist Katja."

Mehr Erklärung gab es nicht.

Im Ort begannen die Gerüchte.

Die einen behaupteten, Gert wolle nur eine kostenlose Babysitterin.

Die anderen waren überzeugt, Katja habe im Lotto gewonnen.

Eine besonders kreative Nachbarin erzählte, das Ganze sei ein Experiment einer Streamingplattform.

Niemand wusste etwas Genaues.

Nicht einmal, als die beiden tatsächlich zusammenzogen.

War das Liebe?

Midlife-Crisis?

Ein verlorenes Drehbuch aus den Achtzigern?

Oder einfach zwei Menschen, die beschlossen hatten, dass das Leben sich nicht an Altersunterschiede und Wahrscheinlichkeiten hält?

Bis heute streiten die Leute darüber.

Katja lacht nur, wenn sie darauf angesprochen wird.

"Wenn ich euch die Wahrheit erzähle", sagt sie, "glaubt ihr sie sowieso nicht."

Und genau deshalb weiß bis heute niemand, ob diese Geschichte wirklich passiert ist.

Oder ob sie einfach zu verrückt ist, um erfunden zu sein.


Klappentext eines Fortsetzungsromans von Meike Sommerfeld , erscheint im August 2026


Bei unserer Autorin Meike Sommerfeld handelt es natürlich um eine Kunst Figur. Namensgleichheiten mit lebenden Personen sind weder gewollt noch beabsichtigt.