Elias war nicht nach Italien gekommen, um sein Herz zu verlieren. Er war gekommen, um das Licht zu finden. Als Landschaftsfotograf suchte er stets nach diesem einen Moment, in dem die Sonne das Meer in flüssiges Gold verwandelte und die bunten Häuser von Positano wie Edelsteine an den Klippen funkeln ließ.
Doch alles änderte sich an einem Dienstagvormittag in der „Bar Internazionale“.
Elias saß an einem kleinen, wackeligen Tisch und starrte auf seine Kamera, als er sie zum ersten Mal sah. Sie hieß Elena. Sie bestellte ihren Espresso auf Italienisch, doch ihr Akzent verriet eine Herkunft, die weiter nördlich lag. Als sie sich suchend umsah und ihr Blick den seinen traf, lächelte sie – ein Lächeln, das heller strahlte als die Mittagssonne über dem Tyrrhenischen Meer.
„Ist dieser Platz noch frei?“, fragte sie.
Aus einem flüchtigen Gespräch beim Kaffee wurde ein Spaziergang durch die engen, blumengesäumten Gassen. Elena war Architektin und sah die Welt in Linien und Strukturen, während Elias sie in Farben und Schatten wahrnahm. Sie ergänzten sich wie Ebbe und Flut.
Die nächsten sieben Tage waren ein Rausch aus salziger Haut, dem Duft von Zitronenhainen und nächtlichen Gesprächen am Strand von Marina Grande. Sie sprachen nicht über die Zukunft, nicht über ihre Leben in Berlin und London. Sie lebten nur in diesem einen, endlosen Augenblick.
Am letzten Abend saßen sie auf einer Mauer hoch über der Stadt. Das Feuerwerk eines lokalen Festes erhellte den Himmel. Elias sah Elena an und wusste, dass keine Fotografie der Welt jemals einfangen konnte, was er in diesem Moment empfand.
„Man sagt, Urlaubsromanzen halten nur bis zum Abflug“, flüsterte Elena, während sie ihre Hand in seine legte.