NEU im stellysee Bookshop: THRILLER : Der geliehene Schatten

Samstag, 10. Oktober 2026

Upsalla was kest ihr dA?

Susi, Babsi und Stubsi: Das Leben ist schön. Irgendwie.

Susi, Babsi und Stubsi saßen am Samstagmorgen im Café „Zum Goldenen Croissant", wo ein Cappuccino inzwischen so viel kostete wie früher ein komplettes Wochenende inklusive Bahnfahrt, Kinokarte und einem kleinen Aber-Anspruch auf Lebensfreude.

„Von wegen niemand liest mehr", sagte Susi und hielt ihr Buch hoch. „Ich lese. Jedenfalls den Klappentext. Zweimal."
„Du nennst das Lesen?", fragte Babsi.
„Ich nenne es Effizienz", sagte Susi. „Der Klappentext fasst das ganze Buch zusammen. Warum soll ich noch dreihundert Seiten lesen, wenn ich die Enttäuschung des Endes schon auf Seite eins haben kann?"

Stubsi, die Dritte im Bunde — vollkommen unabhängig von der Tatsache, dass sie tatsächlich eine Katze war und auf dem Nachbartisch saß — rollte sich zusammen und zeigte damit die eleganteste Reaktion auf sämtliche existentialen Fragen: völliges Desinteresse mit stilistischer Klasse.

Babsi rührte in ihrem Tee, den sie aus Prinzip bestellt hatte, weil Kaffee „zu Mainstream" sei, und seufzte. „Mein Ex hat mir gestern wieder geschrieben. Ich glaube, du hast dich verändert."
„Und?", fragte Susi.
„Na ja, das war ja auch der Punkt der Trennung. Ich habe aufgehört, so zu sein, wie er mich haben wollte, und angefangen, so zu sein, wie ich bin."


„Und wie bist du?"
„Nervöser. Aber authentischer!"
Susi nickte weise. „Neidische Ex-Partner sind eigentlich ein Kompliment. Es bedeutet, dass dein Leben ohne ihn besser geworden ist, und das kann er sich nur eingestehen, indem er es als Charakterschwäche von dir deutet."

„Framed. Dann erzählte Susi von ihrer Bahnfahrt am Vortag. Es gab, wie immer, einen Fahrer, dessen pädagogisches Credo lautete: Bremsen ist eine Kunstform und die Fahrgäste sind die Leinwand. Die gesamte Lanhofstraße hatte Susi dann ohne ihr Mitwirken kennengelernt, das Gesicht einer älteren Dame landete unfreiwillig in ihrem Hintern und ein Joghurtbecher, den jemand achtlos abgestellt hatte, vollendete sein Leben als abstraktes Kunstwerk am Fenster.

„Und dann", fuhr Susi fort, „sagte der Fahrer durchs Mikrofon: Wir bitten von rücksichtsvollem Verhalten im Fahrzeug abzusehen."
„Was soll das heißen?", fragte Babsi.
„Ich habe keine Ahnung. Aber er klang, als hätte er es schon bei vierundzwanzig früheren Fahrten gesagt und würde es auch beim Jüngsten Gericht noch sagen, falls dort jemand destabilisierend auftritt."

Stubsi öffnete ein Auge, um zu prüfen, ob das Leben sich bereits gebessert hatte. Es hatte sich nicht. Sie schloss es wieder und summte ein meditatives ohmmmmmm....

„Wisst ihr, was ich gestern beim Einkaufen erlebt habe?", sagte Babsi. „Acht Euro fünfzig. Für einen Blumenkohl."
„Nein. Das sind ja Preise wie im Puff."
„Doch. Ich habe mit dem Blumenkohl vor dem Regal gestanden und überlegt, ob er nicht wenigstens mein Auto waschen oder meine Steuererklärung machen könnte. Für acht Euro fünfzig wäre das das Minimum."
„Und?"
„Er wollte nicht. Ich habe ihn trotzdem gekauft. Aber ich habe ihm während des gesamten Kochens böse Blicke zugeworfen."
„Während des was?"
Babsi stockte. „... während des gesamten Kochens. Ich bin einfach so wütend auf den Blumenkohl, dass ich anfange, Sprachen zu erfinden."
Da laut Susi an diesem Punkt ein Stimmungsaufheller vonnöten war, bestellten sie eine „Blondpizzateria" — was, nach dreimaligem Nachfragen beim Personal, schlicht eine Pizza Hawai war, die sich selbst zu ernst nahm. 
Der Kellner versicherte jedoch, dass sie „handwerklich mit Konzept" gebacken werde, was sie sofort teurer machte.

„Wisst ihr", sagte Susi und fischte sich verdächtig viel Ananas vom Teig, „obwohl also: neidische Ex-Partner, aggressive Bahnen mit künstlerisch veranlagten Fahrern und Blumenkohl zum Preis eines Kleinwagens — irgendwie ist das Leben schön."
„Woran machst du das fest?", fragte Babsi.
„Wir sitzen hier, die Sonne scheint, die Pizza ist warm, und eine Katze namens Stubsi hat es geschafft, in einem Café einen besseren Platz zu ergattern als wir. Wenn das kein Beweis ist, dass das Universum einen Sinn hat — oder zumindest einen trockenen Humor."

Stubsi streckte sich, sprang elegant vom Nachbartisch auf ihren Schoß, knetete kurz das Tischtuch zu ihrem Wunschplatz und setzte sich mit dem selbstbewussten Blick einer Diva, die weiß, dass sie der eigentliche Grund ist, warum alle immer wieder hierherkommen.

„Siehst du", sagte Babsi. „Das Leben ist schön. Irgendwie."
„Irgendwie", sagte Susi.
Und Stubsi schnurrte — was Katzensprache ist für: „Hätte ich euch auch sagen können. Steht in jedem guten Klappentext."

Ende. Allevidertschi y so fidelio xpuncto juguretta cocolores





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