Es war ein sonniger Sonntagmorgen in Köln, als Bruder Alois, ein strenger, aber herzlicher Katholik mit einer Vorliebe für Latein und lange Predigten, an der Bushaltestelle stand. Er hatte sich extra seinen besten Anzug angezogen – den mit den leicht glänzenden Knöpfen, die immer so vornehm klirrten, wenn er die Hände faltete. Sein Ziel? Die Messe in St. Gereon, wo er heute die Lesung halten sollte. Doch der Bus kam nicht. Und kam nicht. Und kam nicht
Plötzlich hielt ein glänzender, silbergrauer Mercedes vor ihm. Das Fenster ging runter, und ein freundliches Gesicht mit einem gepflegten Bart und einer Brille mit blauen Gläsern lugte heraus. "Komm, steig ein, ich nehm dich mit!", rief der Fahrer – Ahmed, wie er sich vorstellte, ein erfolgreicher Unternehmer und praktizierender Moslem, der gerade auf dem Weg zur Freitagsmoschee war. "Aber heute ist Sonntag…", dachte Alois verwirrt, doch Ahmed klärte auf: "Ich fahre zur Wirtschaftsgottesdienst-Moschee. Da geht’s um nachhaltige Investitionen und karitative Projekte. Fast wie eine Messe, nur mit mehr Excel-Tabellen."
Alois zögerte. Ein Katholik in einer Moschee? Das war so unvorstellbar wie ein Fisch auf einem Fahrrad. Doch der Bus war immer noch nicht da, und Ahmeds Lächeln war ansteckend. Also stieg er ein.
Im Auto roch es nach Oud-Parfüm und Kaffee. Auf dem Armaturenbrett lag ein Exemplar des Korans neben einem Buch mit dem Titel "Der reiche Mann und das Kamel – Eine Anleitung zur steueroptimierten Nächstenliebe". Alois rutschte unruhig auf seinem Sitz hin und her, während Ahmed entspannt den Verkehr kommentierte: "Schau, der da vorne fährt wie ein Derwisch auf Espresso. Aber ich vertrau auf Allah – und auf meine Vollkasko."
"Also…", begann Alois vorsichtig, "was macht man denn in so einem… ökonomischen Gottesdienst?"
Ahmed grinste. "Na, wir beten, dass die Börse steigt, und spenden dann die Hälfte der Gewinne an Waisenhäuser. Effizienz ist auch eine Form der Frömmigkeit."
Alois hob eine Augenbraue. "Und was ist mit den Verlusten?"
"Die schreiben wir als göttliche Prüfung ab."
Als sie an einer Ampel standen, erzählte Ahmed eine moderne Version der Ringparabel – jenes Gleichnisses, in dem ein Vater seinen Söhnen einen Ring vererbt, der aber nicht der echte ist, um zu zeigen, dass alle Religionen gleich wertvoll sind.
"Weißt du, Alois," begann Ahmed, "in meiner Version hat der Vater seinen Söhnen nicht einen Ring, sondern drei verschiedene Portfolios vererbt: Eines mit Aktien, eines mit Immobilien und eines mit Bitcoin. Jeder Sohn schwört, dass seins das echte, das beste ist. Doch am Ende stellt sich heraus: Der Vater hatte alle drei als echte Erben eingesetzt – weil wahre Frömmigkeit nicht darin besteht, was man besitzt, sondern wie man es teilt."
Alois überlegte. "Also… du meinst, Gott ist wie ein Fondsmanager?"
Ahmed lachte. "Nein, nein! Aber er mag Diversifikation. Und Zinsen für die Armen."
Ankunft und Erleuchtung
Als sie an der Moschee ankamen, sah Alois zu seiner Überraschung ein Schild: "Heute: Gemeinsames Gebet für Weltfrieden und stabile Währungen". Drinnen saßen Menschen verschiedener Glaubensrichtungen zusammen, einige mit Rosenkränzen, andere mit Gebetsteppichen, und alle hörten einem Imam zu, der gerade erklärte, wie man Mikrofinanzierung als Form der Nächstenliebe betreibt.
Alois setzte sich in die letzte Reihe und flüsterte Ahmed zu: "Das ist ja fast wie bei uns… nur mit mehr PowerPoint."
Ahmed zwinkerte ihm zu. "Genau. Und weißt du was? Der echte Ring – oder das echte Portfolio – ist am Ende egal. Hauptsache, man gibt weiter, was man hat."
Am Ende der Veranstaltung spendete Ahmed großzügig für ein Projekt, das Brunnen in Afrika finanzierte. Alois, berührt von der Atmosphäre, zog sein Portemonnaie heraus und legte einen Schein dazu. "Für die Nächstenliebe", murmelte er.
Als Ahmed ihn später zurück zur Bushaltestelle fuhr, fragte Alois: "Kann ich nächste Woche wieder mit?"
[Platzhalter-Werbung fuer Babsi: nur spass versteh sis nix]
Ahmed grinste. "Nur, wenn du deine Aktientipps mitbringst. Ich hab da ein paar Fragen zu… äh… göttlicher Rendite."
Und so fuhren sie lachend davon – ein Katholik, ein Moslem, und die Gewissheit, dass der beste Gottesdienst manchmal dort stattfindet, wo man ihn am wenigsten erwartet.
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