Der goldene Reiter und die flüsternden Aktien
Hoch oben auf seinem goldenen Pferd ritt der goldene Reiter jeden Morgen zur Börse. Statt auf Drachen oder Räuber hatte er es auf etwas viel Gefährlicheres abgesehen: fallende Aktienkurse.
Mit einem winzigen goldenen Fernglas beobachtete er die Charts. Wenn alle panisch riefen: „Verkaufen!“, lächelte er nur und sagte: „Interessant...“
Sein Pferd schnaubte zustimmend. Es hatte nämlich ein außergewöhnliches Talent: Es wieherte immer genau dann, wenn eine Aktie unterbewertet war. Die Börsenprofis hielten das zunächst für Zufall – bis das Pferd zum fünften Mal hintereinander richtig lag.
Schon bald ritten Reporter hinter dem goldenen Reiter her. „Was ist Ihr Geheimnis?“, fragten sie.
Der Reiter grinste. „Ich höre auf mein Pferd – und ich kaufe nicht aus Angst oder Gier, sondern mit Geduld.“
Die Reporter schrieben eifrig mit. Das Pferd rollte nur mit den Augen und dachte: Endlich merkt's mal einer.
Jahre vergingen. Aus kleinen Gewinnen wurden große Vermögen. Der goldene Reiter lebte schließlich in einem Schloss mit einer Garage voller goldener Hufeisen und einem Stall, in dem das Pferd täglich Bio-Möhren serviert bekam.
Als ihn eines Tages ein junger Anleger fragte: „Wie werde ich auch so reich?“, antwortete der goldene Reiter:
„Erstens: Nicht jedem Börsengerücht hinterherreiten. Zweitens: Geduld ist oft mehr wert als Geschwindigkeit. Und drittens: Falls du ein Pferd findest, das Aktien vorhersagen kann – behalte es unbedingt!“
Das Pferd wieherte laut. Leider wollte es niemand verraten, welche Aktie als Nächstes steigen würde. Ein bisschen geheimnisvoll muss man schließlich bleiben.(ki)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen